Siebdruck-Workshop mit Willkommenskindern

27. Mai 2016, 10 Uhr, Rudolf-Wissel Grundschule im Wedding, 2. Etage, Raum 211:

20 Kinder der beiden Willkommensklassen sitzen gespannt im Stuhlkreis und schauen erwartungsvoll zu, was Jördis und Nils, die beiden Stattlab-Siebdrucker da vorführen: Jördis drückt die Druckfarbe energisch mit dem Gummirakel durch ein Sieb und schwupps hält sie ein Papier mit einem aufgedruckten Nashorn in der Hand. Staunende Kinderaugen, offene Münder…

Noch ein wenig schüchtern rutschen die Kids auf ihren Stühlen hin- und her, doch als die ersten Mutigen unter Anleitung ein Herz, Nashorn oder eine Fliege (vor deren Schablone einige Kinder kreischend zurückweichen…) gedruckt haben, kennt die Begeisterung kein Ende mehr und alle stürmen nach vorne, um auch drucken zu können. Jördis und Nils kommen den Druckwünschen kaum nach. Papier muss nachgeliefert werden, weil die Druckfreude der Kinder nicht zu stoppen ist.

Als Nils und Jördis erkennen lassen, dass sie uns nun leider verlassen müssen, zeichnet sich Enttäuschung auf den Gesichtern ab, jedoch nicht lange: Am 10. Juni ist ein Ausflug ins Stattlab geplant! Dort dürfen dann alle in einem richtigen Siebdrucklabor mit großen Maschinen und Sieben eigene Motive auf T-Shirts drucken…. Und schon ist das Leuchten zurück in den Kinderaugen.

In den nächsten 10 Tagen zeichnen die Mädchen und Jungs in den Kunststunden mit schwarzen Filzstiften Motive für ihre Siebdrucke. Schriftzüge des eigenen Namen, von Fußballteams wie Real Madrid oder Internetstars, aber auch Tierzeichnungen, Hello-Kitty-Motive und sogar der Grundriss eines Klassenraums (Foto64) bilden die Vorlagen für die Druckschablonen.

Am Freitag, den 10. Juni, ist es dann endlich so weit. Ein kurzer Fußweg, 3 Stationen mit dem Bus und schon stehen wir am Eingang zum Stattlab.

Zunächst gibt es eine kleine Stärkung: Obst, Croissants, Saft, Wasser… Schließlich wird Energie für die bevorstehende Arbeit gebraucht. Nils erklärt währenddessen kurz den Arbeitsablauf. Meine Kollegin Tanja verteilt T-Shirts: Für jeden eins in der richtigen Größe. Die Kinder sind teilweise so aufgeregt, dass sie erst beim zweiten Hinsehen angeben können, welches Motiv sie gemalt haben. Nach der Aufteilung in mehrere Gruppen-merkt euch gut eure Siebdruckmeisterin oder euren Siebdruckmeister!- kann’s schließlich richtig losgehen.

Abkleben, Befestigen, Farbe aussuchen, einfüllen, Rakel fest angedrückt ziehen UND drucken…

Geschäftiges Gewusel im ganzen Stattlab. Die Neu-Siebdrucker verlangen den Stattlabern alles ab: Sevdalin ist erst beim dritten oder vierten Versuch mit seinem Druck zufrieden, mittlerweile spricht er sogar Italienisch mit seinem „Master“, denn er hat auch eine Zeitlang in Italien gelebt.

Nach dem Drucken noch ab mit den T-Shirts in die Trockenmaschine und fertig!

Das Abkärchern der Siebe macht auch großen Spaß! Stolz hält Karim sein T-Shirt mit der gelben „Reyal Madrid“ Aufschrift in die Kamera (Foto57). Ich bin gerührt: Selten habe ich ihn so gelöst gesehen! Er wohnt in einem Übergangsheim, hat bei seiner Flucht aus dem Libanon Unglaubliches erlebt. Heute denkt er sicherlich nicht daran, wie auch die anderen nicht, die fast alle Schlimmes  hinter sich haben…
Ranja aus Syrien sitzt als einzige still am Tisch und schaut zu. Doch schließlich steht sie langsam auf und bewegt sich in Nils’ Richtung, der das Sieb mit ihrer Druckvorlage neben das Druckkarussell gestellt hat. Nachdem sie dann einmal begonnen hat, möchte sie gar nicht mehr aufhören mit dem Siebdruck…

Am Ende haben alle ein T-Shirt (oder auch zwei, oder auch noch eine Tasche…) bedruckt, sind richtige kleine Nachwuchs-Siebdrucker geworden und laufen alle fröhlich zurück zur Schule.

Auf dem Weg dorthin fragt Bianca mich: “Wann gehen wir das nächste Mal zum Stattlab?“

Birgit
Stattlaberin (Analoge Fotografie) und
Lehrerin in einer Willkommensklasse der Rudolf-Wissel-Grundschule